GOOD-FOOD-HELDIN DER WOCHE: Verena Bongartz

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Schnelles Pfannen-Poulet mit Salat_edt_.jpg

Jede Woche stellen wir euch einen unserer Rezeptentwickler vor. Diesmal sind wir im Gespräch mit Verena Bongartz - der Ernährungswissenschaftlerin und Gründerin von "ernährungsgespräche.ch" - eine kleine Kreativagentur für Ernährung, die massgeschneiderte Ernährungskonzepte für Firmen & Privatkunden anbietet. Wir freuen uns besonders, dass ihr Verenas Rezepte nun in unserer App finden könnt, die mit ihren Kochprinzipien bereits einer Menge krummes Gemüse das Leben gerettet hat!

  1. Was bedeutet für dich „Gutes Essen“?
    In erster Linie das, was der Ausdruck impliziert: gut essen, als Verb. Dass "gut“ in diesem Zusammenhang so vielschichtig belegt ist, gefällt mir.  "Gut“ bedeutet einerseits das offensichtliche: Essen soll mir schmecken. Es soll mir aber auch gut tun, und der Umwelt nicht schaden! Lebensmittel heisst ja wörtlich: Lebens-Mittel. Ein Mittel, zu leben, und ein Leben im "Mittel", also in Balance. Hierzu gehört, dass ich mich ausgewogen ernähre. Aber auch, dass mit den Ressourcen, die hinter meinem Essen stehen, kein Schindluder getrieben wird. Alles in allem soll "gutes Essen“ mir ein gutes Gefühl geben – ohne Wenn und Aber.
     

  2. Warum ist das Konzept von „Ernährungsgespräche“ eigentlich so einzigartig?
    Hier ziehe ich gerne den Vergleich zu Herrenbekleidung heran: Wir liefern keine Ernährungskonzepte von der Stange – wir massschneidern Ernährung, ähnlich wie man einen Anzug masschneidert, denn jeder Mensch ist einzigartig - auch wenn es um Verdauung und Stoffwechsel geht. Z.B. hat jeder, wenn man so will, seine eigene, natürliche Fructose-Intoleranz. Das ist gar nichts Schlimmes: Jeder Mensch hat eine persönliche Aufnahmegrenze pro Mahlzeit, ab welcher Fructose vom Körper nicht mehr verwertet werden kann. Das heisst aber nicht, dass man fortan seinen Erdbeerjoghurt meiden muss – im Gegenteil: Es geht darum, die Höhe dieser Schwelle zu erkennen um entsprechend handeln zu können. Bei empfindlichen Menschen kann das heissen, Obst lieber erst nach der Hauptmahlzeit zu essen, oder in kleineren Portionen: In beiden Fällen wird weniger Fructose auf ein Mal aufgenommen. Aber da ist jeder Körper unterschiedlich. Auch die Zubereitungsart von Lebensmitteln kann die Verdauung individuell beeinflussen: Wenn jemand z.B. ein Glas kalte Milch nicht verträgt, heisst das noch lange nicht, dass Milch grundsätzlich gemieden werden sollte. Allein die Umstellung auf warme, also gekochte Milch, kann schon Wunder wirken.
     
  3. Und worüber redest du mit deinen Kunden am häufigsten? Was ist eigentlich das grösste Problem?
    Das kommt ganz auf die Sichtweise an! Für den Kunden stehen natürlich körperliche Beschwerden im Vordergrund, die durch unbewusste Fehlernährung entstehen. Meistens sind das harmlose (aber auf Dauer belastende) Symptome wie Blähungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder ständige Müdigkeit. Aus meiner Sicht ist es problematisch, dass immer neue Ernährungstrends aufkommen und eine oft einseitige Darstellungsweise die Menschen dazu verleiten, verdachtsweise auf bestimmte Lebensmittel oder ganze Lebensmittelgruppen zu verzichten. Oft geschieht dies völlig grundlos und zum eigenen Nachteil: wer z.B. auf Milch und Milchprodukte verzichtet, schafft die besten Voraussetzungen für einen Calciummangel. Dieser macht sich oft erst Jahre später bemerkbar – meist im Alter. Und das kann man nur schwer wieder rückgängig machen, man muss sich also mit z.T. schwerwiegenden Folgeerscheinungen einer vermeindlich guten Ernährungsumstellung aus früheren Zeiten arrangieren. Hafermilch oder andere Milcharten pflanzlichen Ursprungs sind kein adäquater Ersatz für Milch. Es ist somit wichtig, genau zu verstehen, wie sich ein dauerhafter Verzicht auf Lebensmittel wie glutenhaltiges Getreide, tierische Lebensmittel oder Milchprodukte auf den eigenen Körper auswirkt, und wie man potentiellen Mangelerscheinungen entgegenwirken kann.
     
  4. Du als Ernährungswissenschaftlerin: Kochst du eigentlich gern nach Formeln und Rezepten oder lieber freestyle?
    Das ist schwierig. In der Küche gibt es 2 unterschiedliche Versionen von mir: Die Freizeitköchin, und die Arbeitsköchin. Die Freizeitköchin ist ein fauler Hund, die hauptsächlich nach Abkürzungen sucht. Rezepte stören sie. Sie ist "Meal Prepper", kocht am Wochenende einzelne Komponenten vor und kombiniert sie unter der Woche zu wechselnden Gerichten.  Die Arbeitsköchin in mir kocht nach Rezept. Ich mag sie nicht – sie ist anstrengend, mäkelt viel und ist meistens missmutig. 
     
  5. Was war der beste Ernährungstipp, den du selbst mal bekommen hast?
    Ganz klar: “Lass dich von Anderen nicht verrückt machen!“. Tatsächlich verbirgt sich dahinter vieles, was aus meiner Sicht in der Ernährungsentwicklung der letzten Jahrzehnte schief lief: Kalorienzählen und Diäten, das Verweigern ganzer Lebensmittel oder Lebensmittelgruppen, die beinahe pandemisch auftretende Selbstdiagnose mit Unverträglichkeiten und Allergien. Wir bekommen suggeriert, dass gesunde Ernährung furchtbar kompliziert ist, dabei sind die Grundprinzipien sehr einfach. Vor allem gilt aber: Gesunde Ernährung fängt bei jedem selbst an und bei einem guten Körpergefühl. Mit den Erfahrungen der Anderen hat das nichts zu tun.

Um mehr über Verena Bongartz oder ihre „Ernährungsgespräche" zu erfahren, besuche einfach die Website. Um Verenas’s ernährungsbewusste Rezepte zu deinem persönlichen Kochbuch hinzufügen möchtest, lade einfach die  MyFoodWays-App im Apple App Store herunter.